Unser Festival, Brasil Plural, hat klein angefangen. Mittlerweile findet es zum zehnten Mal in Folge statt, es ist größer geworden und unser Kurzfilmprogramm, mit dem 1998 in München alles begann, wird mittlerweile in 12 Städten gezeigt. Der Name legt es bereits nahe: Brasil Plural will die vielen Facetten eines Landes zeigen, das nicht nur geografisch so weit von Europa entfernt ist.

Brasil Plural hat mittlerweile in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein treues Publikum. Denn mit Kurzfilmen, Spielfilmen und Dokumentarfilmen zeigt das Festival ein Bild Brasiliens, das aus dem Land selbst kommt. Die Filme sind nicht „über Brasilien“, sondern „aus Brasilien“ und transportieren Bilder und Themen aus dem größten Land Lateinamerikas, die in den Medien ansonsten selten auftauchen.

In unserer zehnten Ausgabe blicken wir auch zurück auf die vergangenen Jahre, auf viele großartige Filme, Regisseure, die unsere Arbeit unterstützt haben und zeigen einige der Kurzfilme aus den Vorjahren, die beim Publikum besonders gut ankamen. Gerne erinnern wir uns an die Reihe „Revelando os Brasis“ und Filme zur brasilianischen Musik, die wir als DVD-Programm gezeigt haben. Brasil+Plural befasste sich mit dem Einsatz audiovisueller Medien durch Organisationen wie der Landlosenbewegung Brasiliens. Denn Brasil Plural war immer auch Ort für Gespräche und Diskussionen, nicht nur über das brasilianische Kino, sondern auch über Kultur und audiovisuelle Medien als Motor für Bildung und soziale Bewegungen.

Obwohl in unserer diesjährigen Auswahl ganz unterschiedliche Spiel- und Dokumentarfilme enthalten sind, gibt es doch einen gemeinsamen Nenner: Eine filmische Ästhetik, frei von den Standards nordamerikanischer Produktionen, die nach wie vor das kommerzielle Kino weltweit beherrschen. Stattdessen formulieren Filme wie 2 Filhos de Francisco, Janela da Alma oder Iracema einen eigenen Qualitätsanspruch, der nicht nach einem vorgefertigten Schema funktioniert. Ein Schema, das nicht selten dazu geführt hat, dass Filme überall auf der Welt gleich aussehen, egal, in welchem Land sie produziert wurden. Auch die Themen des neuen brasilianischen Films sprechen die Geschichte des eigenen Landes an: In Cabra-Cega wird einer neuer Blick auf die „bleierne Zeit“ in Brasilien geworfen, A Negação do Brasil befasst sich mit dem Bild der Schwarzen in den Telenovelas und Iracema, uma Transa Amazonica zeigte bereits vor 30 Jahren eindrucksvoll den Widerspruch zwischen politischer Propaganda und sozialer Realität.

BRASIL PLURAL hat in allen 10 Ausgaben versucht, neue, andere Blickpunkte des Kinomachens vorzustellen - für alle Filminteressierten, aber besonders für diejenigen, die eine Ästhetik suchen, die über lange Erprobtes und Etabliertes hinausgeht. Wir danken unserem Publikum, allen Freunden des Festivals, den Kinos, den Unterstützern, den Kulturvereinen, den ehrenamtlichen Helfern von Brasil Plural. Bis hier haben wir es geschafft!

Ihr Team von Brasil Plural